03.05.2018 Stories

Wie arbei­tet so ein For­schungs­la­bor in der Tabak­in­dus­trie?

Das Pro­duct Sci­ence Labor der Impe­ri­al Brands Grup­pe, zu der auch Reemts­ma gehört, befin­det sich in Ham­burg-Bah­ren­feld, direkt neben dem Head­quar­ter von Reemts­ma. In einer drei­tei­li­gen Serie beschäf­tigt sich REE:THINK mit der hoch­kom­ple­xen Tabak­wis­sen­schaft. Im zwei­ten Teil führt uns Chris­ti­an Schulz, Group Rou­ti­ne Ana­ly­tics Mana­ger bei Reemts­ma, durch das Rou­ti­ne­la­bor.

Was als ers­tes auf­fällt: Es riecht nicht. Weder nach Tabak noch nach Rauch. Das liegt unter ande­rem an den Vor­ga­ben, die hier strikt ein­ge­hal­ten wer­den, um im Diens­te der Tabak­wis­sen­schaft zu for­schen. Ohne wei­ßen Labor­kit­tel kommt hier kei­ner rein, auch Besu­cher nicht. Hier, im Pro­duct Sci­ence Lab, gel­ten welt­weit gül­ti­ge ISO-Nor­men, auf deren Ein­hal­tung streng geach­tet wird, um vali­de und wie­der­hol­ba­re Ergeb­nis­se zu erhal­ten.

Einhaltung wichtiger Standards und Qualitätsansprüche

In dem von außen eher unschein­ba­ren Gebäu­de­kom­plex in Ham­burg-Bah­ren­feld füh­ren Bio­lo­gen, Che­mi­ker und Phy­si­ker in drei For­schungs­be­rei­chen jedes Jahr tau­sen­de ana­ly­ti­sche Labor­tests durch, die sicher­stel­len, dass die Pro­duk­te den regu­la­to­ri­schen Anfor­de­run­gen ent­spre­chen und die hohen Stan­dards erfül­len, die Reemts­ma sich selbst auf­er­legt hat. Der Bereich „Rou­ti­ne“ unter­sucht täg­lich, also rou­ti­ne­mä­ßig, Pro­duk­ti­ons- und Roh­ta­bak­mus­ter. Das „Non-Routine“-Labor ist unter ande­rem auf die For­schung an spe­zi­el­len Inhalts­stof­fen spe­zia­li­siert, etwa dem Über­gang von Geschmacks­kom­po­nen­ten in den Rauch. Die For­scher im Bereich Bio­lo­gie wid­men sich mit hoch­kom­ple­xen Ana­ly­sen­me­tho­den dem Ein­fluss von Tabak- und neu­ar­ti­gen Pro­duk­ten wie der E-Ziga­ret­te auf leben­de Zell­kul­tu­ren.

Routinelabor – was passiert hier?

Im Bereich „Rou­ti­ne Ana­ly­tics“ wer­den Tabak und Tabak­pro­duk­te unter­sucht. Die Roh­ta­bakana­ly­sen lie­fern wich­ti­ge Daten über die Qua­li­tät des gekauf­ten Tabaks und wer­den für die Zusam­men­stel­lung von Tabak­mi­schun­gen benö­tigt. Bei der Ana­ly­se von Tabak­pro­duk­ten, wie bei­spiels­wei­se Ziga­ret­ten, wird auf die Ein­hal­tung gesetz­li­cher Vor­schrif­ten und inter­ner Qua­li­täts­pa­ra­me­ter geprüft. Die Ana­ly­se erfolgt mit natio­nal oder inter­na­tio­nal stan­dar­di­sier­ten Ver­fah­ren, die für alle Her­stel­ler welt­weit gel­ten. So ist die Ver­gleich­bar­keit der Daten gewähr­leis­tet. „Wir prü­fen, um sicher­zu­stel­len, dass kein Pro­dukt auf den Markt gelangt, das gesetz­lich vor­ge­ge­be­ne Grenz­wer­te über­schrei­tet“, sagt Chris­ti­an Schulz. „Etwa 20 000 Pro­ben von über 20 Fabri­ken, Tabak­händ­lern und inter­nen Kun­den haben wir im ver­gan­ge­nen Jahr ana­ly­siert. Pro­duk­ti­ons­kon­trol­le ist das, was wir hier täg­lich tun.“ Die­se eng­ma­schi­ge Kon­trol­le sichert die Ein­hal­tung wich­ti­ger Stan­dards und Qua­li­täts­an­sprü­che.

© Reemtsma

Erste Station: Probeneingang

Täg­lich errei­chen den „Pro­ben­ein­gang“ im ers­ten Stock Pro­duk­ti­ons- und Tabak­mus­ter aus aller Welt. Die Pro­ben wer­den hier erfasst, in das Labor Infor­ma­ti­ons und Manage­ment Sys­tem (LIMS) ein­ge­ge­ben und mit einer unver­wech­sel­ba­ren Num­mer ver­se­hen, „damit die jewei­li­ge Wochen­pro­be auch nach­voll­zieh­bar ist“, erklärt Chris­ti­an Schulz. Dann geht es hoch in den vier­ten Stock in das Rou­ti­ne­la­bor.

Wie funktioniert die Rauchmaschine?

Getes­tet wer­den Ziga­ret­ten unter ande­rem mit voll­au­to­ma­ti­schen Rauch­ma­schi­nen. Bei jeder Ana­ly­se nach dem ISO Stan­dard­ver­fah­ren wird die Maschi­ne auto­ma­tisch mit zwan­zig Ziga­ret­ten bestückt. Ein auto­ma­ti­scher Anzün­der zün­det die Ziga­ret­ten an, dann geht es los: Eine Pum­pe saugt mit einem Zug­vo­lu­men von 35 ml an den Ziga­ret­ten. Ein Zug pro Minu­te, der Zug dau­ert zwei Sekun­den. „Es han­delt sich hier um eine soge­nann­te Kon­ven­ti­ons­me­tho­de, denn man kann indi­vi­du­el­les, mensch­li­ches Rau­chen nicht 1:1 wider­spie­geln“, sagt Chris­ti­an Schulz.

© Reemtsma

Rauch auffangen für die Forschung

Der Rauch wird auf einem Fil­ter (“Cam­bridge-Fil­ter”) auf­ge­fan­gen und kann dann wei­ter ana­ly­siert wer­den. Rou­ti­ne­mä­ßig wird das Niko­tin und das niko­tin­freie Tro­cken­kon­den­sat (Teer) gemes­sen. In der Gas­pha­se, also dem Teil des Rau­ches der nicht vom Fil­ter auf­ge­fan­gen wird, wird gleich­zei­tig der Gehalt an Koh­len­mon­oxid bestimmt. Die­se Bestand­tei­le des Rauchs sind in vie­len Län­dern der Welt regle­men­tiert und wer­den von allen Pro­duk­ti­ons­mus­tern bestimmt.

Die­se Ver­fah­ren sind stan­dar­di­siert und wer­den in die­ser Form welt­weit ange­wen­det, denn nur so bekommt man ver­gleich­ba­re Ergeb­nis­se. Zehn Jah­re blei­ben die Resul­ta­te jeder Pro­be auf dem Daten­ser­ver gespei­chert.

Dane­ben kön­nen wei­te­re Para­me­ter unter­sucht wer­den, es gibt Nicht-EU-Län­der, deren Regu­lie­run­gen im Hei­mat­markt wei­ter­füh­ren­de Ana­ly­sen erfor­dern. Chris­ti­an Schulz betont, dass eben doch nicht alles nur Rou­ti­ne ist, was hier pas­siert: „Wir kön­nen auch die ein­zel­nen Bestand­tei­le der Ziga­ret­te unter­su­chen, bei­spiels­wei­se den Fil­ter oder den Tabak. 8000 bis 9000 Tabakana­ly­sen füh­ren wir im Jahr durch. Wie sieht die Blend (also die Mischung) aus? Wie homo­gen ist der Tabak, hat er die rich­ti­ge Mischung? Die Daten sind wich­tig für die Qua­li­tät und den Geschmack des Tabaks, also letzt­end­lich für die Vor­ga­ben der Pro­dukt­ent­wick­lung. Oder wir arbei­ten die Pro­ben für die ande­ren Labor­ab­tei­lun­gen auf, bei­spiels­wei­se den Rauch für die For­schung.“

© Reemtsma

Sicher ist sicher

Feu­er, Rauch und Che­mi­ka­li­en – geht da nicht auch mal was schief? Ernst­zu­neh­men­de Unfäl­le hat es laut Chris­ti­an Schulz bis­her nicht gege­ben, von leich­ten Schnitt­ver­let­zun­gen mal abge­se­hen. Die Glas­fla­schen mit che­mi­schen Sub­stan­zen sind zusätz­lich mit Kunst­stoff umman­telt. Fällt mal eine auf den Boden, tritt trotz­dem kei­ne Flüs­sig­keit aus. Die erstaun­lich gute Luft in den Labo­ren ist auf Hoch­leis­tungs­ab­zü­ge zurück­zu­füh­ren. Alle Arbei­ten fin­den unter einem Abzug statt, der 600 m³ Luft pro Stun­de absaugt. Ein Spritz­schutz sorgt für zusätz­li­che Sicher­heit. Ein­mal jähr­lich bekom­men alle Rou­ti­ne­la­bor-Mit­ar­bei­ter eine gro­ße Sicher­heits­un­ter­wei­sung.

Arbeiten im Labor

Im Zuge der Digi­ta­li­sie­rung ändern sich auch im Labor die Arbeits­be­din­gun­gen, der Weg zum digi­ta­len Labor ohne Papier ist bereits ein­ge­schla­gen: Zukünf­tig sol­len Bar­codes die Num­mern­ver­ga­be beim Pro­ben­ein­gang ver­ein­fa­chen und die Nach­ver­folg­bar­keit opti­mie­ren.

In wel­che Rich­tung sich die Tabak­bran­che auch ent­wi­ckeln mag – For­schung, Pro­duk­ti­ons­kon­trol­le und Rauch­ana­ly­tik wer­den immer ein fes­ter Bau­stein der Tabak­wis­sen­schaft blei­ben. Sicher­heit und Qua­li­tät der Pro­duk­te steht bei Reemts­ma an ers­ter Stel­le, denn nur kann sicher­ge­stellt wer­den, dass die Kon­su­men­ten hoch­wer­ti­ge und siche­re Pro­duk­te erhal­ten und alle regu­la­ti­ven Vor­ga­ben ein­ge­hal­ten wer­den