Ungesunde Ernährung, Zucker, Gebäck, Süßigkeiten, süße Getränke, Zuckersteuer
19.01.2017 Opinions

Die Kühl­schrank-Poli­zei

Der über­mä­ßi­ge Kon­sum von Zucker birgt Gefah­ren für die Gesund­heit. Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on ruft Regie­run­gen dazu auf, eine Zucker­steu­er ein­zu­füh­ren. Ein Ansatz, der mehr als zwei­fel­haft ist.

Dia­be­tes, Über­ge­wicht, Zahn­pro­ble­me, Herz­lei­den: Die Gefahr lau­ert in jedem Kühl­schrank­fach. Durch den über­mä­ßi­gen Kon­sum von Zucker bei­spiels­wei­se erhöht sich das Risi­ko, an einer der genann­ten Krank­hei­ten zu lei­den. Das sind sicher Fakten, denen man ent­ge­gen­tre­ten muss. Aber ist eine Len­kungs­ab­ga­be wie eine Zucker­steu­er hier die sinn­vol­le Lösung?

Die Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on WHO appel­liert an die Regie­run­gen welt­weit, ins­be­son­de­re zucker­hal­ti­ge Geträn­ke mit einer Zucker­steu­er von 20 Pro­zent zu bele­gen. Der erhöh­te Kauf­preis sol­le erwir­ken, dass ins­be­son­de­re Kin­der, Jugend­li­che und Men­schen aus weni­ger pri­vi­le­gier­ten Schich­ten vom Erwerb und Kon­sum des Getränks abge­schreckt wer­den. Seit­dem wird das Für und Wider einer sol­chen Zucker­steu­er heiß dis­ku­tiert.

Krankenkassen bevorzugen positive Anreize

Anfang Janu­ar hat die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung in einer Umfra­ge ermit­telt, dass zumin­dest die Kran­ken­kas­sen in Deutsch­land die­se Idee nicht unter­stüt­zen und statt­des­sen für posi­ti­ve Anrei­ze plä­die­ren. Zitiert wird unter ande­rem der Spre­cher des AOK-Bun­des­ver­ban­des, Mar­tin Litsch, der ganz deut­lich auf umfas­sen­de Auf­klä­rung statt Bevor­mun­dung setzt.

Und den­noch wird in Poli­tik und Medi­en bereits mehr gefor­dert: Wenn Zucker­steu­er (die im Übri­gen eine Len­kungs­ab­ga­be und kei­ne Steu­er wäre), dann doch bit­te­schön auch eine Abga­be für Fleisch- oder Milch­pro­duk­te. Da fragt man sich, war­um nicht ein­fach Lebens­mit­tel­kar­ten ein­ge­führt wer­den, die dem Bür­ger das Den­ken abneh­men, indem ihm sei­ne maxi­ma­le Fett­ra­ti­on für den per­fek­ten Body-Mass-Index direkt zuge­teilt wird. Selbst­ver­ständ­lich wol­len wir das nicht – auf der ande­ren Sei­te: Wohin gehen die Ent­wick­lun­gen? Wie viel Eigen­ver­ant­wor­tung muss die Gesell­schaft ihren Bür­gern denn abneh­men?

Been there, done that …“ – eine Zuckersteuer gab es schon einmal

Erst 1993 wur­de sie zuguns­ten ein­heit­li­cher Wett­be­werbs­fä­hig­keit im EU-Bin­nen­markt abge­schafft. Eini­ge Län­der, wie z. B. Ungarn oder Mexi­ko, haben erst jüngst eine Zucker­steu­er ein­ge­führt. In bei­den Län­dern ging der Pro-Kopf-Ver­brauch zurück – aller­dings ist noch nicht klar, auf wel­che Pro­duk­te jetzt statt­des­sen zurück­ge­grif­fen wird. Eine Ver­gleichs­ba­sis, auf deren Erfah­rungs­wert sich ande­re Län­der stüt­zen könn­ten und die viel­leicht Argu­men­te für die Wie­der­ein­füh­rung einer Ver­brauchs­steu­er für Zucker lie­fern könn­te, fehlt also bis­lang kom­plett.

Wieso nicht Aufklärung statt Straflenkung?

Dass Infor­ma­ti­on und Auf­klä­rung – nicht Gän­ge­lung! – der rich­ti­ge Weg sind, hat die Tabak­bran­che in einem deut­schen Erfolgs­mo­dell bereits vor­ge­macht: Umfas­sen­de Jugend­schutz­pro­gram­me mit kla­rem Fokus auf Auf­klä­rungs­kam­pa­gnen und sach­ge­rech­te Gesetz­ge­bung sowie zusätz­li­che Selbst­ver­pflich­tung der Bran­che haben dazu geführt, dass die Zah­len bei jugend­li­chen Rau­chern – die 2001 noch bei 27,5 Pro­zent lag – auf 7,8 Pro­zent im Jah­re 2015 gesun­ken ist.

Unser Ree:Think: Infor­ma­ti­on, nicht Mani­pu­la­ti­on, war und ist lang­fris­tig die bes­te Prä­ven­ti­on. Die­sen Weg der Auf­klä­rung gilt es fort­zu­set­zen, zu schüt­zen und zu unter­stüt­zen.