01.02.2017 Facts

Fakten zur Tabak­steu­er: Die fünf wich­tigs­ten Fra­gen beant­wor­tet

Die Tabak­steu­er ist nach der Ener­gie­steu­er in Deutsch­land die größ­te Ver­brauchs­steu­er. Grund genug, den Fakten und Mythen rund um die­se Steu­er ein­mal genau­er auf den Grund zu gehen.

1. Wie wird die Tabaksteuer erhoben und gibt sie Auskunft über Konsumverhalten?

Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt ver­öf­fent­licht vier­tel­jähr­lich die Höhe des Auf­kom­mens an Tabak­steu­er. Die Tabak­steu­er wird durch den Bezug von Steu­er­zei­chen erho­ben. Her­stel­ler erwer­ben das Steu­er­zei­chen zum Zeit­punkt der Pro­duk­ti­on. Dies ist ein Zeit­punkt, der zeit­lich lan­ge vor dem Kauf­vor­gang im Han­del lie­gen kann. Die sta­tis­ti­schen Daten der Pro­duk­ti­on geben damit kei­nen direk­ten Ein­blick in das Kon­sum­ver­hal­ten. Will man das Kon­sum­ver­hal­ten iden­ti­fi­zie­ren, geben ande­re Daten, wie zum Bei­spiel Niel­sen-Zah­len, die den tat­säch­li­chen Ver­brauch – also die Abga­be an Kon­su­men­ten – mes­sen, einen bes­se­ren Ein­blick.

Bei­spiel: Wäh­rend der Steu­er­zei­chen­be­zug 2016 um mehr als fünf Pro­zent zurück­ging, zeigt der tat­säch­li­che Ver­kauf im Han­del 2016 laut Niel­sen einen deut­lich gerin­ge­ren Rück­gang (knapp über zwei Pro­zent).

2. Warum bestehen zwischen Produktion und Verkauf solche Unterschiede?

Tat­säch­lich ist die Pro­duk­ti­on, wie bei vie­len Kon­sum­gü­ter- und Genuss­mit­tel­her­stel­lern, deut­li­chen Schwan­kun­gen unter­le­gen – sie wird beein­flusst von tech­ni­schen Erfor­der­nis­sen und unter­neh­mens­ei­ge­nen Pla­nun­gen wie z. B. Maschi­nen­aus­las­tung oder Vor­pro­duk­tio­nen sowie exter­nen Bedin­gun­gen wie z. B. Anbau und Lie­fer­ket­te.

Bei­spiel: Der Rück­gang bei der Tabak­steu­er 2016 ist auf Son­der­ef­fek­te zurück­zu­füh­ren. Dies erklärt auch den Anstieg der Tabak­steu­er 2015 im Ver­gleich zum Vor­jahr. Im Jahr 2015 erfolg­te eine Vor­pro­duk­ti­on der 19er-Packun­gen im Zuge der gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Anhe­bung des Min­dest­pa­ckungs­in­halts von 19 auf 20 Ziga­ret­ten zum 1. Janu­ar 2016. Dafür wur­den im Herbst 2015 Steu­er­zei­chen bezo­gen – die damit pro­du­zier­te Ware aber erst im Fol­ge­jahr ver­kauft. Die­se Ware fin­det sich nun in der Steu­er­sta­tis­tik 2015, obwohl sie erst 2016 im Han­del war.

3. Sind diese Schwankungen das erste Mal aufgetreten?

Nein. Jah­res­schwan­kun­gen kom­men vor. Es gab sie auch in der Ver­gan­gen­heit schon und wird sie bestimmt auch in Zukunft geben. Aus­sa­ge­kräf­ti­ger ist des­halb immer die Betrach­tung eines grö­ße­ren Zeit­raums.

Bei­spiel: Das Inkraft­tre­ten der EU-Tabakricht­li­nie zum 20. Mai 2016 in Deutsch­land. Die­se sah unter ande­rem eine Neu­re­ge­lung der Warn­hin­wei­se mit soge­nann­ten „Schock­bil­dern“ vor. Die neu­en recht­li­chen Bestim­mun­gen erfor­der­ten eine tech­ni­sche Umstel­lung der Pro­duk­ti­on. Aus die­sem Grund war in den ers­ten Mona­ten 2016 eine Vor­rats­pro­duk­ti­on von Tabak­wa­ren und damit ein­her­ge­hend ein erhöh­ter Absatz von Steu­er­zei­chen erfolgt. Anschlie­ßend kam es dann zum Umkehr­ef­fekt, der im Ver­gleich zum Vor­jah­res­quar­tal zu einem Rück­gang beim Bezug von Steu­er­zei­chen führ­te.

4. Gibt es weitere Einflussfaktoren bezüglich der Höhe der Tabaksteuereinnahmen?

Natür­lich und sogar ziem­lich vie­le. Steuer­einnahmen wer­den durch viel­fäl­ti­ge fis­ka­li­sche, tech­ni­sche und gesell­schaft­li­che Fak­to­ren beein­flusst. Dar­um geben sie für sich betrach­tet oft kei­ne ver­läss­li­che Aus­kunft über Kon­sum­ver­hal­ten.

Bei­spiel: Beein­flusst wer­den die Ein­nah­men u. a. durch:

  • Ziga­ret­ten­schmug­gel
  • Migra­ti­ons­be­we­gun­gen
  • Den Zeit­raum zwi­schen Steu­er­zei­chen­be­zug und Ver­kauf
  • Umstel­lun­gen in der Pro­duk­ti­ons- und Lie­fer­ket­te
  • Impor­te der Kon­su­men­ten für den per­sön­li­chen Gebrauch aus angren­zen­den Län­dern wie Polen und Tsche­chi­en sowie aus dem Urlaub im Süden mit­ge­brach­te Pro­duk­te und vie­les mehr

5. Die Tabaksteuer wird nach Menge und Preis erhoben

Neben der Men­ge wird auch der Wert der Ware für die Fest­set­zung der Besteue­rung her­an­ge­zo­gen. Die­ser ergibt sich aus dem Klein­ver­kaufs­preis. Der Klein­ver­kaufs­preis wird vom Her­stel­ler oder Ein­füh­rer als Ein­zel­han­dels­preis bestimmt. Dies erfolgt für Zigar­ren, Ziga­ril­los und Ziga­ret­ten je Stück und für Rauch­ta­bak je Kilo­gramm. Damit der Kon­su­ment weder zu viel noch zu wenig Tabak­steu­er bezahlt, ist der Klein­ver­kaufs­preis auf das Steu­er­zei­chen auf­ge­druckt und ist „gebun­den“: Er darf lt. Tabak­steu­er­ge­setz vom Händ­ler weder unter­schrit­ten noch über­schrit­ten wer­den!

Durch unter­schied­li­che Steu­er­ta­ri­fe für Ziga­ret­ten, Fein­schnitt, Zigar­ren und Pfei­fen­ta­bak sowie den jewei­li­gen wert­ab­hän­gi­gen, „pro­por­tio­na­len“ Steu­er­an­teil ist die Steu­er­be­las­tung von Pro­dukt zu Pro­dukt unter­schied­lich. Für Ziga­ret­ten liegt sie bei 70 bis 75 Pro­zent des Klein­ver­kaufs­prei­ses.

Bei­spiel: Wenn man sich eine Schach­tel Ziga­ret­ten (20 Stück) für 6,00 Euro kauft, wer­den ins­ge­samt 4,22 Euro als Steu­ern abge­führt (3,27 Euro Tabak­steu­er + 0,96 Euro Umsatz­steu­er). Dies ent­spricht einem Anteil von 70,4 Pro­zent des Kauf­prei­ses.