24.03.2017 Stories

Ham­bur­ger Jour­na­list Claas Relo­ti­us erhält den Reemts­ma Liber­ty Award 2017

Mit dem Reemtsma Liberty Award ehren wir 2017 den Journalisten Claas Relotius. Mit seiner Reportage „Nummer 440“ beleuchtet er den Begriff der Freiheit als universelles Menschenrecht.

Die Reportage „Nummer 440“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der als Terrorverdächtiger verschleppt und als einer der ersten nach Guantánamo gebracht wird. Er wird gefoltert, isoliert, tritt in den Hungerstreik. Er leidet Qualen und weiß nicht warum.

Später erfährt Mohammed Bwasir, „… dass Amerika ihn bereits seit fünf Jahren, genau nach der Hälfte seiner Haftzeit, nicht mehr gefangen halten will. Es will ihn loswerden, ihn abschieben, die ganze Zeit schon. Es weiß nur nicht, wohin. Also bleibt er.“

Claas Relotius, freier Redakteur für das Nachrichtenmagazin Spiegel, der Autor dieser Reportage, reiste für seinen Bericht in den Jemen, in die USA und nach Guantánamo. Er verschaffte sich Einsicht in geleakte Geheimakten des Pentagon, suchte Kontakte zu Lagerkommandeuren, interviewte Anwälte und Angehörige.

Claas Relotius: Freiheit ist universelles Menschenrecht

Insbesondere die Details aus diesen aufwendigen Recherchen verleihen „Nummer 440“ eine einzigartige Wucht. Genauso wie in der zweiten eingereichten Reportage, „Königskinder“, über ein geflüchtetes Geschwisterpaar aus Syrien, das in Anatolien als Schwarzarbeiter überlebt, überzeugte Claas Relotius die Jury damit, dass es ihm gelingt, den Begriff der Freiheit als universelles Menschenrecht zu beleuchten – und zugleich dessen Fragilität aufzuzeigen.

Und genau darum geht es beim Reemtsma Liberty Award. Seit 2007 ehrt der mit 15.000 Euro dotierte Preis herausragende journalistische Arbeiten von Reportern und Korrespondenten deutscher Medien im Ausland, die sich in besonderem Maße um die Freiheit der Presse, der Gesellschaft und damit um die Freiheit eines jeden Einzelnen verdient machen.

2017 – das Jahr von Fake News und Lügenpresse

In diesem Jahr steckt in dieser Thematik viel Brisanz: vor dem Hintergrund besorgniserregender Entwicklungen, wie der Verhaftung von Deniz Yücel und vieler weiterer Journalisten in der Türkei, oder auch dem Verhalten von US-Präsident Donald Trump gegenüber Medien.

„In vielen Ländern weltweit sehen wir Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit, die besorgniserregend sind“, so Michael Kaib, Sprecher des Vorstands von Reemtsma. „Unter den Schlagwörtern ‚Fake News‘ und ‚Lügenpresse‘ tritt in Teilen der Gesellschaft eine immer offenere Ablehnung journalistischer Arbeit zutage. Doch ist eine freie Presse unerlässlich dafür, dass sich Menschen frei und selbstbestimmt informieren können. Für uns ist das ein ganz zentrales Gut. Der Reemtsma Liberty Award war damit wohl nie zuvor wichtiger als jetzt.“

Reemtsma setzt sich seit vielen Jahren für mehr Selbstbestimmung und den Zugang zu qualitativ hochwertigen Informationen in der Gesellschaft ein. Mit dem Liberty Award unterstreicht das Unternehmen die gelebte Verantwortung.