24.07.2017 Facts

Jugend­li­che rau­chen und trin­ken weni­ger – und das ist gut so

Jugend­li­che fin­den Koma­saufen uncool – und trin­ken so wenig wie seit den 70ern nicht mehr. Umfra­gen der Bun­des­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Auf­klä­rung bestä­ti­gen die­sen Trend.

Jugend­li­che trin­ken so wenig wie seit den 1970ern nicht mehr“, titel­te ZEIT ONLINE am 18. Mai 2017 und bezog sich damit auf das aktu­el­le Ergeb­nis einer reprä­sen­ta­ti­ven Umfra­ge der Bun­des­zen­tra­le für gesund­heit­li­che Auf­klä­rung (BZgA). „Koma­saufen wird uncool“, resü­mier­te heute.de die Umfra­ge­er­geb­nis­se. Jeder zehn­te befrag­te Teen­ager zwi­schen 12 und 17 Jah­ren greift ein­mal in der Woche zu alko­ho­li­schen Geträn­ken. Bei der glei­chen Umfra­ge 2004 waren es noch mehr als dop­pelt so vie­le (21,2 Pro­zent). Eine Ent­wick­lung, die ohne Wei­te­res zu begrü­ßen ist.

Null Toleranz für jugendliche Raucher

Infor­ma­ti­on und Auf­klä­rung schei­nen Wir­kung zu zei­gen und tra­gen offen­bar dazu bei, dass Jugend­li­che Alko­hol zuneh­mend uncool fin­den. Schon seit 2009 wird mit der Kam­pa­gne „Alko­hol? Kenn dein Limit.“ ein ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ter Umgang mit alko­ho­li­schen Geträn­ken ange­mahnt. Auch Nicht­rau­chen liegt bei Jugend­li­chen im Trend: In Deutsch­land rauch­ten 2015 nur noch 7,8 Pro­zent der Jugend­li­chen im Alter von 12 bis 17 Jah­ren. Ein his­to­ri­scher Tief­stand. Zum Ver­gleich: Im Jahr 2001 lag der Wert noch bei 28 Pro­zent. Die Zahl der rau­chen­den Jugend­li­chen hat sich also um mehr als zwei Drit­tel redu­ziert. Und das ist gut so. Da das Rau­chen zuneh­mend aus der Öffent­lich­keit ver­schwin­det, wird es den Jugend­li­chen gesell­schaft­lich weni­ger vor­ge­lebt. Auch das ist wohl ein Grund dafür, dass der Kon­sum zurück­ge­gan­gen ist. Ins­be­son­de­re wir als Tabak­un­ter­neh­men sind uns unse­rer Verantwortung in Sachen Jugend­schutz bewusst und sagen ganz klar: null Tole­ranz beim Rau­chen unter 18 Jah­ren.

Gesellschaftlicher Wandel begünstigt jugendliche Interessen

Johan­nes Lin­den­mey­er, Direk­tor der Salus Kli­nik in Lin­dow, die sich auf Sucht­pro­ble­me spe­zia­li­siert hat, sieht den Grund für den Sin­nes­wan­del unter Jugend­li­chen nicht aus­schließ­lich in den Prä­ven­ti­ons­kam­pa­gnen, son­dern auch im gesell­schaft­li­chen Wan­del: „Aktiv sein, lan­ge auf­blei­ben kön­nen, fit sein – und das auch aus­strah­len – all das wird bei jun­gen Leu­ten immer wich­ti­ger“, sag­te Lin­den­mey­er der Süd­deut­schen Zei­tung.

Auch Jugend­for­scher Phil­ipp Ikrath beob­ach­tet, dass die Jugend zuneh­mend auf kör­per­schä­di­gen­de Sub­stan­zen ver­zich­tet und statt­des­sen auf Gesund­heits- und Sport­trends setzt. Die pas­sen­den Bil­der dazu lie­fern Platt­for­men wie Insta­gram oder Snap­chat.

Zocken statt quarzen?

Die Sta­tis­ti­ken zei­gen also: Jugend­li­che im Jahr 2017 rau­chen weni­ger Ziga­ret­ten und trin­ken weni­ger Alko­hol. Ein Erfolg für den Jugend­schutz, den es wei­ter vor­an­zu­trei­ben gilt. Aber gibt es Ent­wick­lun­gen in ande­ren Berei­chen, die für Jugend­li­che zur Gefahr wer­den kön­nen? Oder anders gefragt: Was machen die Kids denn, anstatt zu rau­chen und zu trin­ken?

Heut­zu­ta­ge lie­fern wie­der­um ande­re Quel­len Gefähr­dungs­po­ten­zi­al für Her­an­wach­sen­de: Smart­pho­nes und das Inter­net sind im All­tag von Jugend­li­chen inzwi­schen all­ge­gen­wär­tig: Rund 85 Pro­zent der 17-Jäh­ri­gen in Deutsch­land beschäf­ti­gen sich täg­lich mit dem Inter­net oder Com­pu­ter. Vor 15 Jah­ren war es weni­ger als ein Drit­tel. Fast acht von zehn der 17-Jäh­ri­gen sur­fen oder chat­ten täg­lich. 72 Pro­zent sind jeden Tag in den sozia­len Netz­wer­ken unter­wegs. Inwie­weit sich die­ser Kon­sum nega­tiv auf die Ent­wick­lung aus­wirkt, wird viel­fach dis­ku­tiert.

Fest steht: Genau­so wie beim Kon­sum von Tabak und Alko­hol ist hier eine Auf­klä­rungs­kom­pe­tenz und Über­nah­me einer deut­li­chen Ver­ant­wor­tungs­rol­le sei­tens Gesell­schaft, Schu­le und Eltern­haus gefragt. Dass Kin­der und Jugend­li­che nicht rau­chen und Alko­hol trin­ken soll­ten, steht außer Fra­ge und nicht zur Dis­kus­si­on. Geht es aber bei­spiels­wei­se um Süßig­kei­ten oder Com­pu­ter­spie­le, ste­hen die Eltern in der Pflicht, ihren Kin­dern einen ange­mes­se­nen Umgang zu ver­mit­teln. Dabei geht es nicht dar­um, pau­schal alles zu ver­bie­ten, was Spaß macht. Her­stel­ler und Indus­trie haben die Auf­ga­be, den Erwach­se­nen Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein zu ver­mit­teln, das die­se an ihren Nach­wuchs wei­ter­ge­ben.