Paris, Eifelturm, Abenddämmerung, Fluss, Seine
01.02.2017 Opinions

Kein ‚Lais­ser-fai­re‘ mehr in Frank­reich

Zigarettenmarken in Frankreich haben klangvolle Namen wie „Vogue“ oder „Allure“. Schon bald könnte damit Schluss sein. Schade, denn Frankreich hat offenbar kein Vertrauen in Aufklärungspolitik mehr.

Es scheint, als ob sich die Zeiten glamouröser Namen für Zigarettenmarken in Frankreich dem Ende zuneigen. Das französische Gesundheitsministerium will keine Zigarettenmarken mehr, die „Fine“ oder „Allure“ heißen. Diesbezüglich kommt einem die Studie in den Sinn, die herausgefunden hatte, dass bestimmte Vornamen gewisse Assoziationen bezüglich Leistungsfähigkeit und Charakter in unserer Gesellschaft hervorrufen. Besonders positiv erscheinen laut dieser Erhebung zum Beispiel die Träger und Trägerinnen von Namen wie Charlotte, Sophie und Alexander. Die klingen nach guter Kinderstube, mit denen möchte man sofort seine Freizeit verbringen. Andere Namen sorgen dafür, dass man es in Job und Gesellschaft eher schwer haben könnte.

Ähnliche Gedanken hegt man in umgekehrter Art wohl gerade in unserem Nachbarland. Denn dort hat das Gesundheitsministerium jetzt verkündet, dass Zigarettenmarken in Frankreich mit allzu glamourösem Namen verboten werden sollen. Unter glamourös versteht man Produktnamen, wie z. B. „Vogue“, „Fine“, „Allure“, „Corset“. Also Namen, die an Modemagazine, Eleganz oder Stil erinnern. Schade, denn genau dafür haben wir Frankreich bislang bewundert. Und was besonders schade ist: Dies ist ein Zeichen für wenig Vertrauen in die eigene Aufklärungspolitik. Dabei galt Frankreich einmal als das Herz von Aufklärung und Liberté.

Zigarettenmarken in Frankreich: Sind Namen nur Schall und Rauch?

Das ist eigentlich so, als würde man alle Cola-Marken in Cola 1, Cola 2 und Cola 3 umbenennen, in der Hoffnung, dass fortan all jene, die gern einmal ein zuckerhaltiges Getränk zu sich nehmen, dann auf Wasser umsteigen würden. Und vielleicht erinnert der Vorstoß bezüglich der Zigarettenmarken in Frankreich sogar ein bisschen an die absurde Regel in Nordkorea, wo es 28 Staatsfrisuren gibt, aus denen man sich eine auswählen darf. Dieser Logik folgend, könnten wir auf Produktvielfalt gleich ganz verzichten und direkt aus einem vom Gesetzgeber empfohlenen Volksgenussmittel wählen. Serge Gainsbourg würde dazu nicht einmal mehr ein trauriges Chanson schreiben wollen.

Aber zurück zu den Tatsachen. Das französische Gesundheitsministerium stellt sich vor, dass die Hersteller innerhalb eines Jahres die genannten Zigarettenmarken umbenennen müssen. Die Empirie dahinter ist nicht bekannt. Fakt ist: Information, nicht Verstecken oder Manipulation, ist langfristig die beste Prävention. Und ein erfolgreicher Weg der Aufklärung bringt noch immer die besten Resultate im Jugend- und Nichtraucherschutz.

Ihre
Doreen Neuendorf

@ladoreen

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