11.01.2019 Stories

Bri­ti­sche Gesund­heits­wis­sen­schaft­ler emp­feh­len in Neu­jahrs-Kam­pa­gne den Umstieg auf die E‑Zigarette

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Das dachte sich auch die britische Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE), als sie einen Versuch zur Schädlichkeit von Zigaretten im Vergleich von E-Zigaretten durchführte. Unter Leitung der Rauchexperten Dr. Lion Shahab und Dr. Rosemary Leonard wurden die Gefahrstoffe, die ein durchschnittlicher Raucher über einen Monat lang inhaliert, mit dem Dampf einer E-Zigarette verglichen. Das Ergebnis hätte einer Werbung für Waschmittel entstammen können. Auf der einen Seite die rußig schwarzen Wattebällchen (Ergebnis des zugeführten Zigarettenrauchs) und auf der anderen Seite die noch immer blütenweißen Wattebällchen (Ergebnis des zugeführten E-Zigarettendampfs). Das Resultat veranschaulicht laut PHE den starken Unterschied zwischen den Auswirkungen von Rauchen und Dampfen. Die E-Zigarette sei zwar nicht risikofrei, aber mindestens 95 Prozent weniger schädlich als die Tabakzigarette.

Maßnahmen zum Rauchstopp ergreifen

Der Film zum Experiment ist nur eine von vielen Maßnahmen, die PHE initiiert, um Raucher zum Nachdenken anzuregen und beim Tabakstopp zu unterstützen. So startet die Behörde regelmäßig zum Jahreswechsel ihre Health-Harms-Kampagne, die Raucher zum Verzicht auf Zigaretten ermutigt. Genauso regelmäßig empfiehlt PHE die E-Zigarette neben altbekannten Nikotinpräparaten wie Kaugummi und Pflaster als wirkungsvolle Alternative zum Rauchen. Tausende Engländer hätten ihren Tabakkonsum durch die E-Zigarette bereits beendet, so PHE. Diese messbaren Erfolge werden in der Politik parteiübergreifend anerkannt und der Einsatz der E-Zigarette zur Rauchentwöhnung unterstützt. Und das mit zunehmendem Erfolg: Mittlerweile hat England die niedrigste Raucherquote Großbritanniens, das wiederum im EU-weiten Vergleich die zweitniedrigste Quote aufweist.

 

In Deutschland ist das Glas halb leer

In Deutschland sieht das öffentliche Bild der E-Zigarette anders aus. Dabei unterscheidet sich die Ausgangssituation zwischen England und Deutschland nicht grundlegend. In beiden Ländern haben E-Zigaretten in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufstieg erlebt, bei zeitgleichem Rückgang der Raucherzahlen. Zudem herrscht jeweils bis dato unter Rauchern große Unwissenheit über die geringere Schädlichkeit von E-Zigaretten im Vergleich zu Tabakzigaretten. Die sinkende Zahl von Rauchern erklärt man in England auch mit der steigenden Verbreitung von E-Zigaretten, die den weiteren Rückgang weiter vorantreiben sollen. Professor John Newton, Direktor für Gesundheitsverbesserung bei Public Health England, fände es daher „tragisch, wenn Tausende von Rauchern, die mithilfe einer E-Zigarette aufhören könnten, wegen falscher Bedenken abgeschreckt würden“. Raucher müssten darüber aufgeklärt werden, dass der Wechsel zur E-Zigarette viel weniger schädlich wäre als das Rauchen.

Während man in England die Chancen der E-Zigarette erkannt hat und verstärkt auf Aufklärung wie durch die PHE-Kampagne setzt, scheint in Deutschland trotz der eindeutigen Fakten- und Studienlage eine Empfehlung der tabaklosen Alternative noch nicht salonfähig. So räumen zwar selbst offizielle Stellen in ihren Publikationen regelmäßig die geringere Schädlichkeit im Vergleich zur Tabakzigarette ein, eine Empfehlung – vor allem für starke Raucher – bleibt bislang unter Hinweis auf fehlende Langzeitstudien allerdings aus.